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CD der Woche
CD, LP 
Various "Music Is The Most Beautiful Language In The World"
Ganz heißer Scheiß aus der Mottenkiste!
Was für eine Ausgrabung: Jüdische Unterhaltungsmusik aus dem London der Zwanziger bis Fünfziger Jahre - Musik, die ohne einen Enthusiasten wie dem englischen Radiomoderator Alan Dein wohl ewig auf zerkratzten Schellacks in muffigen Kellern und auf staubigen Dachböden dem endgültigen Vergessen entgegenmodern würde. Dein hat einen ganz persönlichen Bezug zum Thema: Seine Vorfahren waren Ende des 19. Jahrhunderts vor den Progromen in Osteuropa nach England geflüchtet. Wer nun bei jüdischer Musik reflexartig an Klezmer denkt, liegt zwar nicht vollkommen falsch, aber doch weit daneben. Mit der nicht gerade rosigen Aussicht, ihr Auskommen als Boxer, Schuhmacher, Schneider oder Zigarrendreher bestreiten zu können, versuchten sich viele jüdische Immigranten, die im frühen 20. Jahrhundert ins Londoner East End strömten, als Musiker - und nahmen begierig die Einflüsse des neuen Hotjazz und der lateinamerikanischen Musik auf, die aus dem fernen Amerika nach Europa überschwappten und vermengten sie bereitwillig mit ihren eigenen musikalischen Traditionen. Die abenteuerlichen Mischformen, die somit entstanden, klingen auch heute noch genauso charmant, skurril, exotisch und oft äußerst virtuos wie damals: Mambo, Calypso, Swing, Samba, Tango, Foxtrott oder Ragtime treffen auf vertraute Klezmer-Melodien und auf oft humorige Texte, die entweder auf jiddisch oder mit starkem Akzent auf Cockney-Englisch mit viel Chuzpe vorgetragen werden - heute vollkommen vergessene Sänger wie Max Bacon, Johnny Franks oder Chaim Towber verstanden sich noch als Entertainer, die mit ihrem Gute-Laune-Enthusiasmus ihrem Publikum den schweren Alltag versüßen wollten. Die hervorragenden Orchester und Bigbands jener Ära standen dem in Musikalität und Professionalität nichts nach: Der Spielfreude und dem Esprit dieser liebevoll restaurierten Aufnahmen tut auch ihr klangliches Patina keinen Abbruch, ganz im Gegenteil. Eine lohnenswerte Entdeckung nicht nur für Musikhistoriker.
   
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22.06.2012  - Folge uns auf Facebook
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