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Freitag ist Musiktag
(Ausgabe 2020/32)
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Liebe Musikfreundinnen & -freunde,

hier ist der zweite Teil unserer Sommermails und bevor das Wöhrmühlenfestival, auf das wir euch ja schon letzte Woche hingewiesen haben, an den Start geht, hier noch der Wink mit dem Zaun(pfahl) zu noch mehr Livekultur: "Moormann is back in Yard" heißt die Veranstaltung bei der Todde an den Turntables im steht. Ab 15 Uhr wird zwar nicht zum Tanz gebeten, aber dennoch sollten groovige Passagen aus einem Potpourri der Reggae-, Dub- und Elektromusik mindestens zum Kopfnicken reichen ... und vielleicht sogar zum entrückten Grinsen.

beste Grüße und ein musikalisches Wochenende
Peter Bongartz mit Todde Jarks & Peter "Point" Gruner
Ceu "Apka!"
Brazil-Electro Deluxe: Céu lässt die Rechner tanzen
Der irreführende Begriff "Weltmusik" offenbart, wenn wir ehrlich sind, eine ganz spezifisch westliche Geisteshaltung, von der wir uns selbst gar nicht ausnehmen wollen: Popmusik ist grundsätzlich anglo-amerikanisch, den riesigen Rest der Welt werfen wir in den großen Worldmusic-Topf, rühren einmal um und schreiben am besten noch "Folklore" drauf. Oder in welcher 100-Alben-für-die-Ewigkeit-Liste taucht je ein Werk aus Mali, Indien und Brasilien auf? Dabei hat gerade letzteres eine so reiche, sich bis heute stetig progressiv entwickelnde musikalische Vielfalt zu bieten, die vollständig zu erkunden ein Menschenleben kaum ausreichen würde. Ein schönes Beispiel hierfür bietet die Sängerin und Songschreiberin Maria do Céu Whitaker Pocas, kurz Céu: Seit ihrem Debütalbum im Jahr 2005 überrascht sie immer wieder mit genauso einnehmenden wie waghalsigen Werken, in denen sie ganz lässig brasilianischen Samba, Bossa oder Choro mit Dub, Reggae, Hiphop, R&B, Soul, Jazz, Surfrock und Electronica mit einer Selbstverständlichkeit vermengt, die einen glauben lassen kann, die Pophauptstadt der Welt heiße nicht New York, Los Angeles, London oder Berlin, sondern Sao Paulo. "Apká!", das fünfte Studioalbum der 40-jährigen, legt den Schwerpunkt noch mehr als bisher auf tanzbare, elektronische Beats, welche sie mit ihrer Band äußerst kreativ und vielfältig mit warmen Jazz-Harmonien, mysteriös-atmosphärischen Klang-Texturen und fiependen, wabernden Synthesizern vermischt - Musik, wie ein eisgekühlter Cocktail in drückender Tropenhitze. All das ist allerdings nur die Bühne, der rote Teppich für Céus schlafwandlerische Honig-Stimme, der jederzeit anzuhören ist, dass sie sich den klassischen Bossa-Nova-Sängerinnen genauso verbunden fühlt wie den legendären Jazz-Chanteusen und dem aktuellen R&B. Bezaubernd!
 
CD: 19,99€
LP: 27,99€
Apka!
 
 
Paul Weller "On Sunset"
Der Modfather überzeugt mit souligem Edelpop
On Sunset
 
 
Nach dem folkigen, von akustischen Gitarren und Streichern geprägten Vorgänger "True Meanings" liefert Paul Weller mit "On Sunset" ein sorgfältig auf Hochglanz poliertes Soulpop-Album ab. Für alle, die eher den rootsigen, akustischen Weller bevorzugen, mag das keine gute Nachricht sein. Dabei sind R&B und Soul schon immer Teil der musikalischen DNA der Britpop-Ikone, fußte doch die ganze Mod-Kultur, welche er in den Siebziger Jahren mit The Jam wiederbelebte, auf Rhythm & Blues, Motown Soul und Souljazz. Doch ein Retromaniac war Paul Weller noch nie - und auch heute schafft er es noch locker, gleichzeitig vor- und zurückzublicken. "On Sunset" ist ein aufwendig produziertes Album, das mit modernen R&B-Grooves genauso liebäugelt, wie mit klassischen Soulzitaten, welches in vielschichtigen Soundtexturen coolen Funk, crispe Gitarren und entrückt wabernde Psychedelica zusammenführt ("More"), auf dem ein hymnisch-optimistischer Popsong unverhofft ins All abdriftet ("Mirror Ball"), oder, wie im Titelsong, ein warmer pazifischer Wind Westcoast-Feeling heraufbeschwört. Doch der lockere, jazzige Groove kann nicht darüber hinwegtäuschen, dass sich hier jemand von einer Welt verabschiedet, die es so nicht mehr gibt: "And the world I knew has all gone by/ All the places we used to go belong to a time/ Someone's elses life/ Another time". Vor allem aber bietet "On Sunset" wirklich großartigen, vielseitigen Pop, der in nicht wenigen Momenten an seine 80er-Jahre-Kapelle Style Council erinnert und trotz allen US-amerikanischen Querverweisen immer eine gewisse Britishness ausstrahlt. Kein Wunder, singt der alte Modfather doch mit einer Stimme, die so beherrscht-charismatisch-elegant klingt, wie seine Maßanzüge aussehen.
 
CD: 19,99€
Deluxe Edition: Preis auf Anfrage
LP: 32,99€
LP limitiert: 32,99€
Leifur James "Angel In Disguise"
Langsam (zer)fließendes Deep-Trip-House-Meisterstück und ein als Tieftaucher verkleideter Engel
Manchmal kann man eben doch ein “book by its cover” beurteilen! Sedimente des Ozeans legen sich über den Salon eines längst versunkenen Dampfers; aus kalkigen Kratern strömen vergessene Bilder einst samtener Schönheit und marianengrabentiefe Melodien durchziehen zeitlupenhaft die minimalisierten Beats wie die Tentakeln einer Medusa ... Leifur James bewegt sich wie ein treibender Taucher durch die Landschaft untergegangener Innneraumarchitektur - aber nicht immer in getragener Langsamkeit. Ab und an strudelt er in Strömungen, die ihn für eine Weile in Bewegung halten, die ihn in neue Räume vordringen lassen ... dort glaubt er, die langsam verklingende Stimme einer sich windenden Diva zu hören, die schon längst nicht mehr singt ... Ihr findet vielleicht, dass das sehr morbid oder gar beängstigend klingt? Fürwahr, eine fruchtig fröhliche Sommerplatte ist “Angel In Disguise” eher nicht - aber es ist nur eine Verkleidung. Tief im Inneren, hinter den Schleiern fein verwobener Melancholie, schlägt verspielt ein Herz aus purer Neugier und Freude. Leifur James scheint auf der Suche nach tanzbarem Verfall, nach lebendiger Morbidität oder dem Vertrauten im Ungewissen, fündig geworden zu sein. Und er lässt uns auf “Angel In Diguise” an diesem himmlischen Tauchgang teilhaben - Danke dafür! PS: Das Video habe ich tatsächlich erst gesehen, als dieser Text fertig war ;-)
 
CD: 19,99€
LP: 28,99€
Angel In Disguise
 
 
Jake La Botz "They're Coming For Me"
Wilde Storys, erzählt in knarzigen Blues-, Folk- und Rock’n’Roll-Songs
They're Coming For Me
 
 
Neulich hat Jake La Botz zusammen mit den fränkischen Alternative-Country-Göttern Smokestack Lightnin’ ein Konzert in Nürnberg gegeben - leider verpasst, soll aber glaubwürdigen Berichten zufolge großartig gewesen sein. Kann man sich gut vorstellen, wenn man das neue Album des singenden Geschichtenerzählers aus Chicago hört. “They’re Coming For Me” ist bereits das neunte Werk des Songwriters - was mal wieder beweist, dass man selbst bei intensivster Beschäftigung mit Musik niemals alle guten Leute auf den Schirm haben kann. Nun denn: La Botz erschafft in seinen Songs skurrile Charaktere, komische Typen, die (wie im Titelsong) unter Verfolgungswahn leiden oder, wie der seltsame Bankräuber in “Bankrobber’s Lament”, beim Anblick eines Nagels auf der Straße gläubig werden. Es sind solche originellen Textideen, die seinem bodenständigen Mix aus Blues, Folk, Gospel, Country und Rock’n’Roll eine ungewöhnliche Tiefenschärfe verleihen, etwas, was bei der Vertrautheit der musikalischen Mittel dann doch aufhorchen lassen. Warm, naturbelassen und luftig produziert ist “They’re coming for me” eine kleine Perle des Americana-Genres - rau, wild, ungehobelt und gleichzeitig von großer poetischer Sensibiltät.
 
CD: 19,99€
Curtis Stigers "Gentleman"
Neue Gentlemänner braucht das Land - Stigers beendet den Corona-Style
So langsam neigt sie sich dem Ende zu, die Zeit der Jogginghosen, Bademäntel, Fünftagebärte und Corona-Frisuren. Wir dürfen auch ohne "zwingenden Grund" wieder nach draußen. Höchste Zeit, mal wieder etwas Stil an den Tag zu legen, schon der Selbstachtung wegen. Höchste Zeit für Typen wie Curtis Stigers. "Lately I've let things slide", gesteht er freimütig im ersten Song (im Original von Nick Lowe) seines neuen Albums und beweist damit, dass man selbst Momente des größten Kontrollverlustes mit einer gewissen Würde durchleben kann. Jep, Curtis Stigers ist ein Gentleman der alten Schule. "There's a man you see in the mirror and a man you show to the world", singt er mit körniger Crooner-Stimme im mit dem Songschreiber David Poe verfassten Titelsong. "How to dream, how to plan? Make it happen anyway you can: Be a man, a gentleman." In gewisser Weise findet der 54-jährige Stigers, der seine Karriere als Popstar begann und sich längst zum überzeugenden, Jazz- und Blues-affinen Song-Interpreten und Saxophonisten gewandelt hat, in diesen elf vornehmlich von oder für ihn geschriebenen Stücken eine Definition von Männlichkeit, die zwar nicht neu ist, aber gewiss eine Renaissance vertragen könnte: Sensibilität ohne Weinerlichkeit, Verletzlichkeit gepaart mit Mut, Empathie, Humor und dem unbedingten Willen, den Kopf auch unter widrigsten Umständen über Wasser zu halten. Die zwischen Barjazz, Piano-Blues, Crooner-Schmelz und herbem Songwriter-Realismus changierende Musik gleitet mit der gleichen lässigen Selbstverständlichkeit dahin, wie man(n) ein gut sitzendes Jackett tragen sollte. Naturbelassen produziert von Pianist Larry Goldings ist "Gentleman" eine genauso unspektakuläres wie wohltuendes Album voll lebensbejahender Melancholie geworden.
 
CD: 19,99€
LP: 27,99€
Gentleman
 
 
Bongartz. Musik in allen Formaten
Hauptstr. 56
91054 Erlangen
Tel: 09131 9080520



USt. ID: DE 261717343

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