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Freitag ist Musiktag
(Ausgabe 2020/38)
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Liebe Musikfreundinnen & -freunde,

Wir hätten soviel schöne Dinge heute in unser Editorial schreiben wollen: Bob Dylan liefert ab kommenden Montag nach zehn Jahren eine neue Folge seiner Theme Time Radio Hour ("Whiskey"), Bruce Springsteens neues E-Street-Band-Album "Letter to You" kommt noch dieses Jahr am 23. Oktober und wir bekommen eine Indie-Exklusive-Vinyl-Ausgabe (Vorbestellung sind hier mindestens "sinnvoll") oder wir hätten über den unglaublichen Einfluss nachdenken können, den Jimi Hendrix, der genau heute vor 50 Jahren starb, auf die Rockgeschichte hatte. Was wir aber leider schreiben müssen ist das hier:

Was für eine böse Überschneidung: Da schreiben wir am 11.09.2020 etwas über Toots & The Maytals neues Album "Got To Be Tough" in unserem Newsletter und noch am selben Tag erliegt er einer mutmaßlichen Corona-Infektion ... das stimmt uns sehr traurig! Und so fühlt es sich auch ziemlich seltsam an, wenn man in der Rezension noch "Get well soon!" lesen kann - aber zu diesem Zeitpunk haben wir es einfach noch nicht gewusst!

Rest in Peace, Toots!

beste Grüße und ein musikalisches Wochenende
Peter Bongartz mit Todde Jarks & Peter "Point" Gruner
Oumou Sangare "Acoustic"
Back to the roots: Malis Sangeslegende bezaubert in kleiner Besetzung
Auf ihrem letzten Album „Mogoya“ von 2017 klang Oumou Sangaré auffallend poppig, was dann auch gleich ein Remix-Album nach sich zog. Nun geht die große malische Sängerin konsequent in die genau entgegengesetzte Richtung und bringt die selben Songs noch einmal in akustischen Versionen heraus. Was sie wieder näher an ihre Wurzeln in der traditionellen Wassalou-Musik Malis bringt: Nur begleitet von akustischer Gitarre, Ngoni (eine malische Spießlaute), weiblichen Chorsängerinnen und ein wenig dezenter Orgel oder Célesta, entfaltet Sangarés Brokat-Stimme ihren vollen Zauber. Mit majestätischer Kraft erstrahlt dieses warme, volle, dringliche und stolze Organ über dem rhythmisch dicht gewebten Teppich der Saiteninstrumente, während die Chorsängerinnen ihre Phrasen mit beseelter Inbrunst beantworten wie die Gemeinde das Gebet einer Priesterin. Magische Musik, die dem ungeübten Ohr vielleicht zunächst recht fremdartig anmuten mag, aber doch einen ganz vertrauten Ort in der Seele anspricht. Mal ehrlich: Würde Oumou Sangaré auf englisch singen, würde man sie international als das sehen, was sie ist: Eine der ganz großen Sängerinnen unserer Zeit.
 
CD: 19,99€
LP: 24,99€
Acoustic
 
 
Gregory Porter "All Rise"
Übergroß: Der Mützenmann transzendiert meisterhaft Jazz, Soul, Funk und Gospel
All Rise
 
 
In den letzten Jahren scheint es kaum ein Mainstream-Jazz-Album gegeben zu haben, auf dem der Gregory Porter nicht als Gaststar seinen samtigen Bariton erklingen ließ. Was einen leicht vergessen lässt, dass seit seinem letzten Album mit eigenen Songs satte vier Jahre ins Land gegangen sind, die der Kalifornier mit einem Live-Album und einem Nat-King-Cole-Tribut überbrückte. Die 13 neuen Songs auf „All Rise“, seinem sechsten Studiowerk, sind nun allesamt wieder Originale und zeigen einen reifen Künstler auf dem (vorläufigen) Höhepunkt seiner Kunst. „All Rise“ ist ein gar nicht so kleines Wunder an kompositorischer Eleganz, durchdachter Arrangier-Kunst, feinfühliger Lyrik und stimmlicher Kontrolle. Vom majestätischen Eröffnungsstück „Concorde“ mit seiner Marvin-Gaye-Grandezza, über den Gospelfunk von „Dad Gone Thing“, dem von der aktuellen Black-Lives-Matter-Bewegung befeuerten „Revival Song“, bis zur göttlichen Ballade „If Love is overrated“: Porter zeigt mit aufreizender Lässigkeit die ganze breite Palette seines Könnens. „If love is overrated, why is it the only thing I search?“ singt er mit der ihm eigenen verhaltenen Dringlichkeit und empfiehlt sich ein weiteres Mal als der derzeit überzeugendste musikalische Botschafter von Love, Peace and Understanding. Bei der leise groovenden Konsumkritik „Merchants of Paradise“ lässt das London Symphony Orchestra melancholische Nebelschwaden aufziehen, beim kraftvoll schiebenden Jazzfunkrock von „Long List of Troubles“ zeigt er, dass der Tiger in ihm nicht nur schnurren kann. Und „Modern Day Apprentice“ ist eine dieser flauschigen Porter-Balladen, die einem im Handumdrehen den Glauben an die romantische Liebe zurückgeben. Was soll man noch groß Worte verlieren? Gregory Porter hat sein vielleicht bisher bestes Album aufgenommen – und lässt die alte Frage, ob man ihn als souligen Jazzsänger oder lieber als jazzigen Soulsänger verstehen soll, vollkommen überflüssig erscheinen: Der Mann atmet Musik.
 
CD: 19,99€
Deluxe Edition: 29,99€
LP: 34,99€
LP limitiert: 49,99€
J.S. Ondara "Folk N' Roll Vol. 1: Tales Of Isolation"
Der Senkrechtstarter mit einer wahrhaft berührenden Corona-Platte
Es war von anbeginn der Corona-Krise klar, dass diese sich in ganz besonderm Maße auf das Leben der Musiker*innen auswirken würde. Nicht nur in kommerieller, existenzieller Hinsicht, sondern auch auf ihr künstlerisches Schaffen. Nun kommen sie, die “Corona-Alben”, und J.S. Ondaras “Tales of Isolation” ist ein beeindruckendes Beispiel dafür, wie sich besagte Isolation, Zukunftsängste und ganz konkrete existenzielle Nöte als kreative Stimulanz bemerkbar machen. War 2019 für den aus Kenia emmigrierten US-Amerikaner das Jahr des großen Durchbruchs - sein Debüt “Tales of America” wurde für einen Grammy nominiert - so ist 2020 für den jungen Songwriter mit der strahlenden Stimme eine Zeit des erzwungenen Stillstands und der Unsicherheit. “I’m pulled out of the market” billanziert er bitter im ersten Song, und gleich im folgenden “Mr. Landlord” macht er sich nicht ohne Sarkasmus über effektive Bestechungsmethoden Gedanken: “Hey Mr. Landlord, if I baked you a cake, would it help you to forget that I haven’t payed my rent?” Soziale Missstände hat Ondara schon auf dem Vorgänger eindrücklich besungen, doch hier verzichtet er auf wild wuchernde Poesie, sondern singt seinen Isolation Blues mit einer Klarheit und Dringlichkeit, die sich in der kargen Produktion wiederspiegelt: Eine Stimme, eine akustische Gitarre, hin und wieder eine Harmonika, aufgenommen vermutlich in den eigenen vier Wänden, denen mithilfe eines guten Pfunds Hall die Enge genommen wird. Der Schönheit seiner himmelstürmenden Melodien und der Intensität seiner hellen, flehenden Stimme tut dies keinerlei Abbruch. Wie könnte man auch ungerührt bleiben, wenn Ondara aus der Sicht einer Krankenschwester von deren Angst erzählt, abends ihren Geliebten in die Arme zu nehmen? “If I must, if I have to, I will love you from six feet away”. J.S. Ondara gibt uns die richtigen Songs zur richtigen Zeit: Gibt es ein besseres Kriterium für die Relevanz eines Künstlers?
 
CD: 19,99€
LP: 24,99€
Folk N' Roll Vol. 1: Tales Of Isolation
 
 
Kelly Lee Owens "Inner Song"
Voller innerer Schönheit: verträumter Soundscapes-Pop aus Wales
Inner Song
 
 
Schon wieder eines dieser “zweiten Alben”, die das Gegenteil des Vorurteils beweisen, zweite Alben würden ach so schwierig sein ... Wahrscheinlich ist das nur eine Überlieferung aus vergangenen Zeiten, als erfolgreiche Debüt-Alben an der Tagesordnung schienen und sich zweite Alben zumeist schwer taten, den Erfolg oder Überraschungseffekt des Erstlings erneut zu kreieren. Viele der neuen Künstler*innen machen sich aber nix daraus und tun lieber, was sie wollen - ob auf dem Debüt, dem zweiten oder 135. Album! So reiht sich Kelly Lee Owens, die 32jährige Wahl-Londonerin in die Liste ein und präsentiert uns mit ihrem zweiten (!) Album “Inner Song” eine Musik gewordene Innenansicht von exquisiter Güte. Es ist eben Kunst, innere Melodien und Lieder in Musik zu gießen. Und wenn diese dann auch noch einen Eingang offen hält, durch den man einfach eintreten kann, ist es umso besser. Und Kelly Lee Owens hält diverse Türöffner bereit; betritt man dann leichtfüßig den musikalischen Raum, wird man immer wieder mit sich verwandelnden Farben und Formen überrascht. Hier beleuchtet sie eine kleine Ambient-Ecke, dort entwickelt sich ein verträumter Pop-Song im Nu zu einem undergroundigen Dancefloor-Tune. Diesen Rhythmus noch ein wenig reitend, mutiert das Album abermals in die ruhigere Elektro-Song Richtung, aber nicht ohne eine gewisse “Psycho-Ebene” zu streifen ... Schönerweise ist “Inner Song” trotzdem kein Kraut- und Rüben-Album, sondern eine Reise durch abwechslungsreiche Landschaften. Hinter jeder Biegung entdeckt man Neues, kann dieses ein wenig betrachten und sich schon auf die nächste Kurve freuen. Eine wilde Achterbahnfahrt muss man aber zum Glück nicht fürchten - eher schwebt, wippt oder träumt man sich durch die 50 Minuten Reisezeit, die manchmal gesanglich, meistens aber instrumental begleitet wird. Dass Kelly Lee Owens auch außerhalb von Dancefloor und den sich dort zugehörig fühlenden beachtet wird, beweist das Duett mit dem Artrock-Großmeister John Cale, der bei “Corner Of My Sky” an Kellys Seite agiert. Insgesamt ist ihr Trip durch innere Lieder eine fantastisch erzählte Geschichte aus wunderbarer, elektronischer Musik und damit allemal Wert, in unserem Newsletter bedacht zu werden!
 
CD: 19,99€
LP: 27,99€
Bill Callahan "Gold Record"
Verschmitzte Gelassenheit: neue Kurzgeschichten vom Meister der Schlichtheit
„Ich wünsche mir jemanden, der mir mit so einer Leonard-Cohen-Stimme Dinge ins Ohr flüstert“, sagt meine WG-Mitbewohnerin, als die wirklich sehr tiefe, wirklich sehr angenehme Stimme von Bill Callahan aus meinem Zimmer in ihres weht. Witzigerweise eröffnet der sein neues, nicht ganz unbescheiden „Gold Record“ betiteltes neues Album mit den Worten „Hello, I‘m Johnny Cash“, erteilt dann einem jungen Paar altersweise Eheratschläge und verabschiedet sich mit „Sincerely L. Cohen“. Einen etwas schrägen Humor hatte er schon immer, dieser Bill Callahan, der in den Neunziger Jahren unter dem Pseudonym Smog karg arrangierte Musik mit verstimmten Gitarren auf Audiokassetten veröffentlichte. Sein Instrument stimmt er mittlerweile ordentlich, doch die harmonische Schlichtheit ist seinen Songs bis heute geblieben. Letztlich dienen dem 54-jährigen Wahl-Texaner Akkorde und Melodien nur zu atmosphärischen Untermalung seiner gestochen scharfen, vollkommen ohne Metaphern auskommenden Short-Stories. „The Mackenzies“ etwa ist eine anrührende Geschichte von spontaner Nachbarschaftshilfe, die einen eigenbrötlerischen Kauz seine Weltsicht überdenken lässt. In „Breakfast“ skizziert er die Brüche in einer Paarbeziehung in der schlichten Beschreibung eines eingespielten Morgenrituals, in „Ry Cooder“ verbeugt er sich verschmitzt lächelnd vor dem Meistergitarristen, mit dem er nicht nur das Understatement und die Lässigkeit, sondern auch eine Vorliebe für TexMex-Sounds teilt: „English rockers, all their money goes right up their nose, while Ry just smiles and tries another difficult yoga pose“. Eine gewisse buddhistische Ruhe liegt auch in dieser Sammlung von Folk- und Country-Meditationen, die nicht mehr brauchen als eine akustische Gitarre, hier und da ein wenig Besenschlagzeug und Bass, ab und zu ein paar Bläsertupfer und immer diese ruhige, tiefe Stimme, die uns durch die Lautsprecher anlächelt wie ein alter Freund.
 
CD: 19,99€
LP limitiert: 29,99€
Gold Record
 
 
Bongartz. Musik in allen Formaten
Hauptstr. 56
91054 Erlangen
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USt. ID: DE 261717343

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