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Freitag ist Musiktag
(Ausgabe 2020/28)
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Liebe Musikfreundinnen & -freunde,

es könnte gut sein, dass ihr uns heute (10.7.2020) immer wieder weder telefonisch noch per Mail erreichen könnt. Keine Angst, wir haben weder das Land verlassen noch sonst irgendetwas dramatisches, wir haben eine "technische Umstellung". Viele von euch kennen das von zu Hause: Keiner weiß, wann es genau losgeht, es dauert auf alle Fälle länger als geplant, irgendetwas fehlt, aber danach wird alles besser. Vielleicht. Hoffentlich. :-) Eure Mails werden gelesen werden und auch alles andere werden wir auf die Reihe kriegen, wir haben ja in den letzten Monaten alle gelernt, dass manches weniger wichtig ist als es scheint... Bevor ich jetzt in komplett philosophisches abdrifte: wir haben auch diese Woche tolle Empfehlungen und sind ganz ohne technischen Firlefanz für euch im Laden ;-)

beste Grüße und ein musikalisches Wochenende
Peter Bongartz mit Todde Jarks & Peter "Point" Gruner
Various "Music Is The Most Beautiful Language In The World"
Ganz heißer Scheiß aus der Mottenkiste!
Was für eine Ausgrabung: Jüdische Unterhaltungsmusik aus dem London der Zwanziger bis Fünfziger Jahre - Musik, die ohne einen Enthusiasten wie dem englischen Radiomoderator Alan Dein wohl ewig auf zerkratzten Schellacks in muffigen Kellern und auf staubigen Dachböden dem endgültigen Vergessen entgegenmodern würde. Dein hat einen ganz persönlichen Bezug zum Thema: Seine Vorfahren waren Ende des 19. Jahrhunderts vor den Progromen in Osteuropa nach England geflüchtet. Wer nun bei jüdischer Musik reflexartig an Klezmer denkt, liegt zwar nicht vollkommen falsch, aber doch weit daneben. Mit der nicht gerade rosigen Aussicht, ihr Auskommen als Boxer, Schuhmacher, Schneider oder Zigarrendreher bestreiten zu können, versuchten sich viele jüdische Immigranten, die im frühen 20. Jahrhundert ins Londoner East End strömten, als Musiker - und nahmen begierig die Einflüsse des neuen Hotjazz und der lateinamerikanischen Musik auf, die aus dem fernen Amerika nach Europa überschwappten und vermengten sie bereitwillig mit ihren eigenen musikalischen Traditionen. Die abenteuerlichen Mischformen, die somit entstanden, klingen auch heute noch genauso charmant, skurril, exotisch und oft äußerst virtuos wie damals: Mambo, Calypso, Swing, Samba, Tango, Foxtrott oder Ragtime treffen auf vertraute Klezmer-Melodien und auf oft humorige Texte, die entweder auf jiddisch oder mit starkem Akzent auf Cockney-Englisch mit viel Chuzpe vorgetragen werden - heute vollkommen vergessene Sänger wie Max Bacon, Johnny Franks oder Chaim Towber verstanden sich noch als Entertainer, die mit ihrem Gute-Laune-Enthusiasmus ihrem Publikum den schweren Alltag versüßen wollten. Die hervorragenden Orchester und Bigbands jener Ära standen dem in Musikalität und Professionalität nichts nach: Der Spielfreude und dem Esprit dieser liebevoll restaurierten Aufnahmen tut auch ihr klangliches Patina keinen Abbruch, ganz im Gegenteil. Eine lohnenswerte Entdeckung nicht nur für Musikhistoriker.
 
CD: 19,99€
LP: 32,99€
Music Is The Most Beautiful Language In The World
 
 
Moby "All Visible Objects"
Ein echter Moby: tanzbar, dramatisch und 100% vegan
All Visible Objects
 
 
Nah am Wasser gebaute Gesangsschnipsel und flächig groovende Tanzrhythmen - klingt nach Moby aus den den Neunzigern, ist aber neu! Nach dem letzten Album mit dunkel verschnörkeltem Dub-Trip-Hop und der ihm inne wohnenden Traurigkeit, ist “All Visible Objects” eine echte Ausgeburt an Fröhlichkeit - jedenfalls für Mobys Verhältnisse. Ziemlich strikt am technoiden Dancefloor entlang getaktet und mit reichlich fetten Strings und Synthies hinterlegt, zielt der 54-jährige zumeist eindeutig und mit viel Energie auf die Beinmuskulatur der zugeneigten Feiernden. Und wer auch noch Hirnzellen übrig hat, kann sogar ein paar Textzeilen zum Nachdenken erhaschen! Ansonsten spielt Mister Hall mit dem einen oder anderen Klischee der obig bereits erwähnten 1990er Jahre - zumeist weibliche Stimmen und die guten alten Sägezahntöne aus analogen Klanggeneratoren ergeben mit fröhlich geschüttelten Musterarrangements aus Mobys Handgelenk eine wolkige Mixtur, die auch (oder gerade) altgedienten Trance-Jüngern tränige Feuchtigkeit in die Augen träufeln könnte ... “All Visible Objects” erscheint dabei wie eine Reise durch Mobys Können der letzten Jahrzehnte und er kann es immer noch - und zwar auch auf die Spitze treiben!
 
CD: 19,99€
LP: 29,99€
Paul Burch "Light Sensitive"
Der amerikanische Süden, betrachtet durch die Augen eines poetischen Lebemanns
Paul Burch: Einer dieser Typen, die man immer nur im Vorbeigehen aus den Augenwinkeln wahrgenommen hat, aber doch nie richtig auf der Pfanne hatte. Spielte früher mal bei Lambchop, hat inzwischen eine beachtliche Latte von Soloalben rausgebracht. Wenn die alle so gut sind wie "Light Sensitive", dann wird's wieder nichts mit der selbst auferlegten Musik-Kauf-Abstinenz, dann gibt's die nächsten Wochen daheim nur Haferschleim mit Brennesselspinat. Burch betrachtet den modernen amerikanischen Süden durch die Hornbrille von Buddy Holly und belauscht ihn mit den Ohren von Hank Williams. Watet durch die Sümpfe Lousianas, springt auf einen Güterzug, um beim Mardi Gras in Mobile, Alabama (wo er seiner Meinung nach geboren wurde) dem Faschingskönigspaar zuzuwinken, lässt sich in "Prince Ali's Fortune Telling Book Of Dreams" die Liebe seines Lebens prophezeien, isst eine Pflaume auf seinem Flug nach Spanien, verliert seinen Verstand an die Liebe, bringt Frauen um den ihrigen und besingt all diesen herrlichen Irrsinn in so duftig-altmodischer, rumpelig-swingender Americana-Musik, dass man fast glauben möchte, die Vereinigten Staaten von Amerika müssten doch irgendwie ein guter Ort sein. Wisst Ihr, was ich meine? Rhythm & Blues mit Rumba-Rhythmus, lässiger Western-Swing mit Besen-Schlagzeug und Hawaii-Gitarre, Rockabilly, Oldtimejazz und melancholische Schunkelwalzer, die unbedingt und ausschließlich eng umschlungen auf Tischen zu tanzen sind. Verdammt lebendige Musik, verschwitzt und virologisch höchst bedenklich, aber unwiderstehlich.
 
CD: 19,99€
LP: 29,99€
Light Sensitive
 
 
Muzz "Muzz"
Das Trio fasziniert mit eigenwilligen, dunkel leuchtenden Indie-Pop-Songs
Muzz
 
 
Hurra, noch eine Supergroup! Stellen wir kurz die Personalien fest: Muzz bestehen aus dem von der Band Interpol (mehr oder weniger) bekannten Sänger Paul Banks, dem Gitarristen und Multiinstumentalisten Josh Kaufmann, der uns erst als Teil der anderen aktuellen Supergruppe Bonny Light Horseman angenehm aufgefallen ist, und dem Schlagzeuger Matt Barrick, welcher - Momentchen, schnell mal gegoogelt - sonst bei einer Kapelle namens The Walkmen trommelt. Nun legen die drei New Yorker unter dem kryptischen und womöglich völlig bedeutungslosen Namen Muzz ein titelloses Debüt-Album vor, welches sicherlich zu den interessantesten Veröffentlichungen dieses überhaupt sehr interessanten Jahres 2020 zählt. "Muzz" ist ganz klar eine Studio-Produktion: Sounds und Arrangements sind bei diesen zwölf im Kollektiv erarbeiteten Songs mindestens genauso wichtig wie die Kompositionen an sich. Alles hier ist im besten Sinne undurchsichtig: Paul Banks traurige Stimme schwebt, Hallfahnen hinter sich herziehend, über einer wild wuchernden Klanglandschaft, in der sich akustische und elektrische Gitarren, verhalten pochende Drums, Bass und analoge Keyboardsounds mit pastoralen Bläsern und feierlichen Chorgesängen zu einer Atmosphäre vermischen, die genauso sinister wie erhebend wirkt. So drängt etwa in "Knucklebuster" ein atemloser Schlagzeug-Beat zum Aufbruch, während die hymnisch-verschlungene Gesangsmelodie fast still zu stehen scheint und zwischendurch eine hypnotische Flöte (die in Wirklichkeit wohl eher ein Synthesizer ist) die Sinne verwirrt. Songs wie "Everything like it used to be" oder "Summer Love" betören mit einer bitteren Süße, die zu Tränen rühren kann. Ein Stück heißt "Chubby Checker" und mit ein wenig gutem Willen könnte man tatsächlich Twist darauf tanzen - und dabei traumverloren auf die eigenen Schuhspitzen starren. Großartige Musik, die entdeckt und erforscht werden will und gerade durch ihre Gegensätzlichkeit eine enorme Spannung erzeugt.
 
CD: 19,99€
LP: 22,99€
Film "Ein Verborgenes Leben"
Widerstandsdrama über Mut und den Kampf gegen das Böse
Basierend auf einer wahren Geschichte erzählt Terrence Malick mit großer Intensität die Geschichte des österreichischen Bauern Franz Jägerstätter, der am 6. Juli 1943 wegen “Wehrkraftzersetzung” zum Tode verurteilt und am 9. August 1943 hingerichtet wurde. August Diehl und Valerie Pachner verkörpern Franz Jägerstätter und seine Frau Fani emotional aufwühlend, mit sensibler Präsenz und leidenschaftlicher Hingabe. Kameramann Jörg Widmer schuf dazu Bilder von poetischer Eleganz. Terrence Malicks unerschöpfliches Interesse am inneren Kampf seiner Hauptfigur macht “Ein verborgenes Leben” zu einem allegorischen Widerstandsdrama über Mut und den Kampf gegen das Böse. Das optisch wie inhaltlich opulente Opus wird Fans von Altmeister Terrence Malick begeistern wie zuvor schon der Goldene-Palme-Gewinner “The Tree of Life”. Der 2019 verstorbene Schauspieler Bruno Ganz ist in “Ein verborgenes Leben” in seiner letzten Rolle zu sehen. “Kino in seiner mächtigsten und heiligsten Form. Dieser Film ist eine Kathedrale für die Sinne.” (Variety) “Terrence Malicks bester Film seit 'The Tree of Life'.” (indiewire. com) “Malick ist einer der großen Ästheten des Gegenwartskinos.” (kinozeit. de) “Das visuell herausragende Kriegsdrama 'Ein verborgenes Leben' erzählt als Jesus-Allegorie in lyrisch-meditativem Stil eine wahre, bisher kaum öffentlich wahrgenommene Geschichte eines Widerstandskämpfers, der gänzlich ohne große Gesten gegen Hitler und das Dritte Reich rebellierte.” (filmstarts. de) “Terrence Malick gelingt mit “Ein verborgenes Leben” eine bewegende Ode an den heimischen Widerstandshelden Franz Jägerstätter.” (Der Standard) “Unvergesslich” (Spiegel Online) “Stilistisch und intellektuell überwältigend” (programmkino. de) “'Ein verborgenes Leben' ist das Hohelied auf die Humanität, den Widerstandsgeist, den Mut und das Gewissen. Terrence Malick ist ein großer Film gelungen.” (Deutschlandfunk) “August Diehl spielt in Terrence Malicks Meisterwerk 'Ein verborgenes Leben' seine feinste Rolle. (...) Das dreistündige Meisterwerk 'Ein verborgenes Leben' ist im aktuellen Kino ein faszinierender Fremdkörper. Wie nur wenige Filmemacher modelliert Malick die Zeit wie ein Bildhauer.” (Frankfurter Rundschau)
 
DVD: 14,99€
Ein Verborgenes Leben
 
 
Bongartz. Musik in allen Formaten
Hauptstr. 56
91054 Erlangen
Tel: 09131 9080520



USt. ID: DE 261717343

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